Die Schweiz kann sich aus dem Plastikproblem nicht herausrecyceln – Warum jetzt politisches Handeln nötig ist

Die Schweiz kann sich aus dem Plastikproblem nicht herausrecyceln – Warum jetzt politisches Handeln nötig ist

Ein Land voller Berge – und voller Plastik

Die Schweiz gilt als Sauberland. Doch hinter der idyllischen Fassade verbirgt sich ein massives Problem: Plastik. Der neue OceanCare-Bericht „Plastic Matters“ zeigt in einer umfassenden Faktenanalyse, wie ernst die Lage ist – und warum Recycling keine ausreichende Lösung darstellt. Trotz hoher Umweltstandards gehört die Schweiz zu den weltweit größten Plastikverbrauchern pro Kopf und setzt stark auf Verbrennung statt Kreislaufwirtschaft. OceanCare +2 OceanCare +2


Plastikverbrauch in der Schweiz: Europäische Spitzenwerte

127 Kilo Plastik pro Person – jedes Jahr

Mit 127 kg Plastikverbrauch pro Kopf gehört die Schweiz zu den globalen Spitzenreitern. OceanCare +3 OceanCare +3 OceanCare +3
Rund 95 kg davon werden zu Kunststoff-Abfällen , die meist nur kurz genutzt werden – Verpackungen, Einwegprodukte oder Zigarettenstummel. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) +1

85-90 % werden verbrannt, nicht recycelt

Der Mythos eines funktionierenden Recyclingsystems lautet:

  • Der größte Teil des Plastiks landet in der Kehrichtverbrennung . OceanCare +1

  • Nur ein sehr kleiner Teil wird tatsächlich stofflich verwertet.

  • Selbst im PET-Recycling beträgt der Anteil von Rezyklat durchschnittlich lediglich 17 % . OceanCare +1

Littering kostet die Schweiz jährlich rund 200 Mio. Franken

Liegewiesen, Parkanlagen, Straßen und Gewässer müssen teuer gereinigt werden. Besonders problematisch: 1 Mio. weggeworfene Zigarettenstummel in nur zwei Wochen , gesammelt von Schulklassen in CH/Liechtenstein. OceanCare +1


Warum Recycling nicht genug ist

1. Kunststoff verliert im Recyclingprozess an Qualität

Jeder Wiederverarbeitungsschritt führt zu Qualitätsverlust und erfordert neue Rohstoffe. OceanCare +1

2. Zu viele Kunststoffarten – kaum kreislauffähig

Zuschlagstoffe, Farbstoffe und Additive erschweren sortenreines Recycling. OceanCare

3. Die größten Verschmutzer sind nicht recycelbar

Reifenabrieb, Mikrofasern aus Textilien und Mikroplastikpartikel lassen sich gar nicht zurückführen. Die Schweiz kommt mit dem linearen System (Nutzung → Verbrennung) kaum gegen die Kreislaufwirtschaft an. OceanCare +1

Fazit: Die Schweiz kann sich nicht aus dem Plastikproblem herausrecyceln . OceanCare


Tonnenweise Mikroplastik – die unsichtbare Ölpest der Schweiz

Jährlich gelangen 14 000 Tonnen Makro- und Mikroplastik in die Umwelt. OceanCare +1
Darunter:

  • 8 900 Tonnen Reifenabrieb OceanCare +1

  • 2 700 Tonnen Kunststoffabfälle OceanCare

  • 100 Tonnen Makroplastik in Gewässern pro Jahr in der Schweiz OceanCare +1

  • 4 400 Tonnen im Boden OceanCare

  • 55 Tonnen Mikroplastik pro Jahr allein im Genfersee; Insgesamt geschätzte 580 Tonnen im See angesammelt. OceanCare

  • Auch in Auen der Naturschutzgebiete (≈ 53 Tonnen Mikroplastik) und im Schnee der Alpen gefunden. OceanCare +1


Plastik in Lebensmitteln – ein Gesundheitsrisiko

In Schweizer Lebensmitteln wie Äpfeln, Karotten, Salz oder Bier wurden Mikroplastikpartikel gefunden. Die Kunststoffe enthalten bis zu 12 000 chemische Substanzen , darunter:

  • hormonaktive Weichmacher (Phthalat)

  • bromierte Flammschutzmittel

  • toxische Zusatzstoffe

Diese Stoffe können laut wissenschaftlichen Erkenntnissen:

  • das Hormonsystem beeinflussen

  • Übergewicht Förderung

  • Schilddrüsenerkrankungen begünstigen

  • Unfruchtbarkeit und Diabetes fördern

(Spezifische Zahlen stammen aus dem OceanCare-Bericht und ergänzender Literatur.) OceanCare +1


Politisches Handeln gefordert: Gesetze anwenden statt warten

Die Schweiz braucht keine neuen Gesetze – sie muss die bestehende endlich nutzen. OceanCare fordert:

1. Einwegplastik sofort verbieten

Gemäßes Umweltschutzgesetz Art. 30a – z. B. Einweg-Plastikartikel wie Take-away-Behältnisse oder Plastiktüten. OceanCare +1

2. Mikroperlen in Kosmetik verbieten

Gemäßes Umweltschutzgesetz Art. 26 – Mikroperlen in Körperpflege- und Kosmetikprodukten. OceanCare

3. Kunststoffproduktion und -verwendung beschränken

Durch das Chemikaliengesetz, Abfallverordnung und Verordnung über Getränkeverpackungen. OceanCare

4. Wiederverwendung fördern statt Verbrennung

Ein Macht-Comeback des früher funktionierenden Mehrwegsystems ist notwendig.

5. Mikroplastikquellen regulieren

Reifenabrieb, Textilfasern, Zigarettenstummel, Biokunststoffe und flüssige Polymere – klare Maßnahmen nötig. trashhero.org

Problem:
Der Bundesrat verzögert die Umsetzung – obwohl über 70 politische Vorstöße klare Schritte fordern. OceanCare +1


Die Schweiz als Teil der Lösung – oder des Problems?

Obwohl die Schweiz international in der „High Ambition Coalition“ für ein globales Plastikabkommen mitwirkt, deutet sie nationale Hinterher. Für OceanCare-Geschäftsführerin Fabienne McLellan ist klar:

„Die Schweiz muss sich ihrer Verantwortung in Sachen Plastikmüll international stellen – und auch im eigenen Land.“ OceanCare


Schlussfolgerung: Jetzt ist der Moment zu handeln

Die Plastikverschmutzung ist nicht nur ein globales Problem – sie beginnt vor unserer Haustür. Recycling reicht nicht. Freiwilligkeit reicht nicht. Symbolpolitik reicht nicht.
Wir brauchen dringend verbindliche gesetzliche Maßnahmen, die konsequent umgesetzt werden – zum Schutz unserer Umwelt, unserer Gesundheit und unseres Planeten.


Quellen & weiterführende Literatur

  • OceanCare (2022): Plastic Matters – Bestandesaufnahme, Fakten, Gesetzgebung & Handlungsempfehlungen für die Schweiz (Zusammenfassung) – Dezember 2022. OceanCare +1

  • OceanCare: Faktenblatt „Plastik und die Schweiz“ – «Schweizerinnen & Schweizer verbrauchen rund 127 Kilo Plastik/Kopf/Jahr». OceanCare

  • SRF News: „Hoher Plastikverbrauch – NGO: Die Schweiz hat ein massives Plastikproblem“. Schweizer Radio und Fernsehen (SRF)

  • OceanCare: Medienmitteilung „Die Schweiz muss ihrer Verantwortung im Umgang mit Plastikmüll gerecht werden …“ (9. Januar 2023). OceanCare

  • Weitere Hintergrund-Quellen zu Mikroplastik- und Kunststoffrecycling (siehe z. B. Eawag, WHO/FAO etc.)

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